Was du nicht sahst

 

Du wolltest nicht sehen, was ich sah. Wolltest nicht wahrhaben, nicht annehmen, dass ich in dir dieses Glück sah, welches mein Leben endlich zu dem machte, was es bis dahin nicht war. Ein Haufen Gefühle, die so planlos in mir herum schwirrten. Keinen Namen fanden. Keine Person, die diesem Gefühl gerecht wurde. Einfach nur Gefühle, die gefühlt, aber einer Fremden versprochen.

Lange suchte ich. Irgendwann gab ich diese Suche auf. Weil alle Wege gegangen. Um jede Ecke geschaut. Suchte in der Ferne. Nahm die Nähe, um kurz zu stöbern, jedoch nichts fand. Keine gab mir dieses Zeichen, das sie es sein könnte.

Da war lange die Hoffnung. Lange der Wunsch. Ungenutzte Chancen, weil sie es halt nicht war. Weil sie meine Augen nicht zum Leuchten brachte. Weil da kein „Ich will“ war. Weder in der Bar. Auf keiner Tanzfläche. Das war ein wandern durch den Wald, in dem alle Bäume gleich aussahen. Schön, hübsch, gern anzusehen, aber ohne einen mir reichenden Ast, den ich gewillt war zu greifen.

In mir lag diese Müdigkeit. Dieses Suchen strengte an. War irgendwann nur noch ein Abhacken einer Liste, die sich in meinem Herz seit Jahren selbst niedergeschrieben hatte. Nichts wirklich Außergewöhnliches. Ich suchte in ihnen die Lust zu leben. Einen gewissen Ehrgeiz es anders zu machen. Die Freude für den Moment. Augenblicke, die plötzlich vor den Augen erscheinen und mehr wert haben, als die Stunden des Alltäglichen. Diese Gabe, dich für mich interessant werden zu lassen. Und sei es nur die Art, wie du in die Ferne schaust. Mit diesem Wunsch, neue Wege zu planen und diese auch zu gehen.

Darin liegt mein Mut. Immer nach etwas Neuem zu suchen. Das Geschehene zu speichern und mit auf neuen Wegen zu nehmen. Man lernt aus Vergangenheit, aus Gegenwart, mit etwas Abstand und erkennt das richtige Wollen für das da Vorne. Die Weiten der eigenen Ruhelosigkeit. Dieser ständige Drang vorwärts gehen zu wollen. Denn Stillstand findet im Kopf nicht statt. Für manche Aufgaben nicht immer hilfreich. Manche Dinge bleiben liegen. Kurz beschnuppert und als „mach ich später“ zur Seite gelegt.

Als ich dich sah, sah ich mehr. Mehr als vorher. Mehr als ich bis dahin sehen durfte. War etwas erschrocken über dieses Gefühl. Weil ich es sonst nur beschrieb. Schrieb es in tausenden Zeilen nieder. Und auf einmal spürte ich dieses von mir so Erhoffte. Erwünschte. So lange Gesuchte.

Es war das, was um dich, zu einem wenig wurde, das mich ab der ersten Sekunde begeisterte. Diese Welt, die bei deinem Anblick, zu etwas Unwichtigem wurde, weil diese Welt mir nie dieses Gefühl gab.

Wie du es machtest! Wie du es noch immer machst! Das du! Das mit mir! Ich werde es nie begreifen. Aber das brauche ich auch nicht. Denn ich kann es einfach genießen. Nehme es mit in meinen Schlaf und weiß, dass am nächsten Morgen, mich dieses Gefühl wieder begrüßt.

Es war bis dahin nur ein Leben. Jetzt ist es ein leben, in einer Welt, die mir einmal einen Wunsch erfüllte.

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Dieser Tag im September

 

Heute Abend regnet es. Eigentlich schon den ganzen Tag. Anders wie die Tage davor. Da schien nur die Sonne. Wie den ganzen Sommer über. Ein Sommer, den ich vergessen möchte. Der aber wohl mit seiner Wärme in die Geschichtsbücher eingehen würd.

Ich lehne mich zurück in die Couch. Betrachte sein Bild, auf dem Handy, das er mir vor Wochen, bei einen seiner Fahrten mit dem Fahrrad, mit Pause am See, nicht weit von mir, schickte. Ich betrachte seine blanke Brust. Er musste sich rasiert haben. Denn bei einem Treffen im Frühling sprossen noch Haare aus seinem leicht aufgeknöpften Hemd. Er trug immer Hemden. Wohl so ein Statussymbol, als Büro Typ und Cabrio Fahrer. Sein Anblick ließ in mir wieder das Gefühl für ihn aufflammen. In ihm sah ich den Mann für wilde Stunden, aber auch für gemütliche Abende vor dem Kamin. Nicht das ich einen hätte. Mein Leben versteckt sich in zwei Räumen. Versinke in Büchern, von denen ich jede Nacht eines, aus meinem drei Meter langen Regal, aussuche und verschlinge. Ich tauche in die Gedanken fremder. Menschen aus einer Welt, die schön sein muss. Schreiben, fantasieren, eigene Welten erfinden, muss ein Heilmittel für die Einsamkeit sein. So denke ich.

In mir leben auch Geschichten, Gedanken, die es wert wären erhört zu werden. Von ihm. Nur von ihm. Dieses Gefühl, das ich habe, seitdem er mir dieses Foto schickte. Sein Blick. Sein Blick so wahnsinnig einnehmend. So als wolle er, das ich zu ihm kommen solle. Mich neben ihn auf das Handtuch legen, mich entblättern und aus reinem Zufall, mit meiner Hand, die Seine berühre. Wir würden reden. Halt so quatschen. Uns die Welt so zu Recht legen, wie sie uns gefallen könnte. Uns mit Preisen schmücken, die unser Leben verdient hätte. Die beste Akten Verteilerin. Der beste Akten Bearbeiter.

Neben ihm liegend rieche ich sein Parfüm, das sonst sein Büro füllt. Dieser Duft, den ich immer tief einsauge und mit in den Fahrstuhl nehme und versuche, es bis zum nächsten Stockwerk und dem Aufgehen der Tür, zu speichern. Welch Duft, der mich im ersten Aufeinandertreffen einnahm und sich wie ein Seidenschal um meinen Hals anfühlte.

Gerne würde ich meinen Mund sprechen lassen. Im Licht seiner Augen erscheinen. Von ihm beachtet werden. Ihm gehören. Mein ganzes ihm schenken. Die Königin seines Herzens sein.

Doch ich muss zu mir ehrlich sein. Sein Bild von ihm, war nicht für mich. Es war sein Fehler. Mir wollte er eine Liste von gewünschten Akten schicken. Ihr das Bild, das ich bekam. Ein Fehler, den er bei unserem nächsten Aufeinandertreffen, als geblendeten Blick durch die Sonne am See, abwinkte.

Der Sommer ging in Tagen. Tage mit seinem Bild. Ich fühlte Zweisamkeit. Lag jeden Tag mit ihm am See. Spürte seine Hände, die meinen Rücken eincremten. Ich sah, wie er nach einer Stunde schwimmen, müde auf seinem Handtuch lag, die Sonne genoss und kleine Wasserperlen auf seiner Brust, durch seinen erhöhten Herzschlag, wanderten.

Ich träume. Träumte den ganzen Sommer. Der Regen vor meinem Fenster hinterlässt seine Spuren an der Scheibe. Genau wie sein Bild, das er mir im Sommer aus Versehen schickte.

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Du bist mehr

 

Jeden Tag betrachte ich seinen schlürfenden Gang. Sehe in seine müden Augen. Diese leise Stimme. Reden tut er wenig. Sagt mir damit aber so viel. Er will nicht ausbrechen. Das tat er schon. War an seine Grenzen gelangt. Suchte die Flucht in der Stille, in der Ruhe, diese eigene Höhle, in der er sich verkriechen konnte. Er fand diesen Weg, der ihn in sein inneres Paradies brachte. Nur das dies Wenige sahen. Schon gar nicht hörten. Wahrscheinlich gar nicht wollten.

„Schaut, der Depressive!“, sagten sie hinter seinem Rücken.

Das glaubten Viele, weil sie nur sein Äußeres sahen und nicht die Freude, die in ihm, nur für sich, so wundervolle Geschichten erzählte.

Du bist mehr. Mehr als dieser Man, den alle sehen. Sie können nur sehen, betrachten, über dich schmunzeln und urteilen. Sie sehen. Du hörst. Hörst, aber verurteilst nicht, sondern schenkst ihnen einen Engel, der auch sie mal, an einem Abend, mit in den Himmel nehmen sollte.

Du bist mehr. Sogar mehr als ich zu sehen vermag. Gerne würde ich eindringen, in das Gebilde, das sich täglich in deinem Kopf verändert. Das immer nach neuen Wegen sucht. Seinen Horizont nie so lässt, wie er gerade ist. Deine äußerliche Ruhe lässt wenig ertasten. Lässt wenig angreifen. Warum auch! Das sind deine Mauern. Dieser Schutz, den du früher nicht hattest und nun mit stolz betrachtest. Denn du kannst leben. Das Leben, das dir lange verwehrt. Das lange die Anderen lebten. Du aus einer risikofreien Entfernung sahst und so sehnsüchtig dein Eigen nennen wolltest.

Du bist mehr. Mehr als der Mann, der in der Früh aufsteht und den Tag so nimmt, wie er dir gegeben wird. Du nimmst ein Bisschen und machst es für dich zu einem Ganzen. Und sei es nur ein Lächeln am Morgen, das dich den restlichen Tag innerlich Lächeln lässt. Erfreust dich sogar an einem prasselnden Regen, der dich wieder säubert, wenn der Staub der Gesellschaft, dir wieder zu schwer auf den Schultern liegt.

Es ist nicht einfach. Das war es nie. Aber deine Schultern sind stark. Mussten stark werden. Mussten stark sein, für etwas, das du nur erahnen konntest, jedoch in diesem Umfang nicht erwartet hattest.

Du bist mehr. Mehr als dein schlürfender Gang. Mehr als deine müden Augen. Mehr als deine wenigen Worte. Denn du sagst mir damit mehr, als Andere überhaupt hören wollen. Sie könnten es nicht ertragen, das du nicht der bist, den sie glauben zu kennen. Das du nicht der bist, der sich mit seinen Gefühlen in eine Ecke, eine dunkle Ecke, stellt und weint.

Du bist mehr. Du bist der Mann, der im Inneren aufrecht geht. Der mit weit geöffneten Augen die Welt sieht, beobachtet und nach Geschichten sucht. Der Mann, der redet, wenn alle Anderen schon schlafen. Der Mann, der träumt, wenn alle Anderen im Stress versinken.

Du bist mehr. Du bist der Mann, der ich gern sein möchte. Der Mann, den niemand verstehen muss, weil er sich versteht.

In der Ruhe erlebst du die Stille, die es braucht, um die Farben zu mischen, die diesen Alltag zu deinem „Happy Place“ machen.

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Deine Schönheit

 

Ich frage mich, was da war, was dich für mich so unwiderstehlich gemacht hatte. Was war da, das mich nicht ruhen ließ. Immer wieder an dich denken ließ. Dieses Gefühl, dieses Beben in mir auslöste. Da war dieser „Wow-Faktor“. Deine Stimme, diese wundervolle Melodie. Nie glaubte ich an ein Ende. Aber es begann weh zu tun. Es wurde zur Qual. Auch, weil du nicht mehr zu mir sahst. Mich da stehen ließest, mit diesem Gefühl, von dem du nichts wusstest. Vielleicht ahntest. Aber auch nur, weil ich ständig zur dir schaute und dieses Lächeln nicht mehr los wurde.

Jetzt ist da nur noch deine Schönheit. Eine Schönheit die andere Männer anlockt. Mich nie wirklich interessierte, weil ich dein Inneres liebte. Dein Wesen wäre der Bonus gewesen. Aber ich wollte mehr. Mehr als nur die neidischen Blicke der Anderen, wenn wir Hand in Hand durch die Straßen schlendern würden.

Ich hätte mich sowieso hinter dir versteckt. Denn mein Wesen sollte deine Schönheit keinen Schatten geben. Das wäre falsch. Denn deine Schönheit sollst du präsentieren. Das sollst du! Dafür ist sie zu hübsch anzusehen, das ich sie, mit meinem Glöckner von Notre Dame Bildnis, beflecke.

Aber was war da?

Folgte ich dem Wunsch meines Herzens! War das falsch?

Ich glaubte einfach dem was ich fühlte. Fühlte, wenn ich dich sah. Fühlte, wenn ich dich nicht sah. Deine Ankündigung reichte schon. Es war ein Gefühl, das mich klein werden ließ. Schaute ich doch auf dich auf. Wie du das Spiel des Lebens in Perfektion beherrschst. Dein Blick diese Eiswand, hinter der sich mein Herz befand, einfach schmelzen ließest. Ich das Radio ausschaltete, weil der Klang deiner Stimme, so viel mehr melodisch war. Dein Duft! Ach egal, den kennst du und weist, das er die Männer anlockt.

Oft sah ich Schönheit. War jedoch schon nach dem ersten „Hallo“ enttäuscht. Eine Frau ist für mich schön, wenn sie interessant ist. Anders herum wäre sie nur ein Model, wie ich sie zu vielen auf den Laufstegen sah.

New York, Madrid oder Mailand. Überall tummelten sich die Schönen. Die Uninteressanten. Perfekte Körper aus Gottes Hand. Jedoch blasse Geister, die nicht leben, sondern nur funktionieren.

Jetzt blicke ich auf die hundert Briefe, die von mir, für dich geschrieben. Lese diese Worte, die ich empfand und mir heute so fremd sind. Worte, die etwas so tolles beschreiben, das ich heute nicht mehr wahrnehme. Nur noch deine Schönheit lässt mich dich hinterher schauen. Aber mehr! Das Mehr ist verschwunden. Hat deiner Schönheit die Bühne überlassen. Nur das dieses Konzert mir nicht mehr zusagt. Ich würde mich in die letzte Reihe setzen und langweilen. Denn diese Songs kenne ich schon. Und sagen mir nichts mehr, weil sie dich zeigen, wie dich alle sehen und mich nicht mehr wahrnehmen lassen, wie ich dich mal sah.

Ich blieb noch etwas. Suchte nach etwas Neuem. Aber da war nichts mehr. Keine neuen Songs. Kein neues Gefühl. Halt der Alltagsbrei von den Laufstegen dieser Welt. Songs, die ich schon lange von meinem Player gelöscht habe.

Und so laufe ich nun ohne Melodie durch die Straßen.

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So leise

 

Wenn schon irgendwie nachts. Also Nacht, dieses dunkle Draußen, das noch erhellte Zimmer und die abschweifenden Gedanken. Schreiben stand eigentlich nicht mehr im Hausaufgabenheft. Machte dies und das. Von einem mehr. Vom anderen zu wenig. Zu viel gefaulenzt. Wenig die Gedanken in Schwung gehalten. Aber so ist das halt, wenn dir die Arbeit die Kräfte saugte und du einfach mit der Einstellung nach Hause gehst, heute nichts mehr groß in Angriff zu nehmen.

Ein Roman wandert durch das Land und liegt auf verschiedenen Tischen. Oder schon im Müll. Das Warten wird sich wohl noch bis in den Dezember hinziehen. Bin ja nun nicht der Einzige, der seine Wörtersuppe abgibt. Egal was passiert. Ich hab es versucht.

Das aktuelle Projekt plätschert so vor sich hin. Der Anfang steht. Nen Plan wie es weiter geht hab ich auch. Ich plotte nicht wirklich. Schreibe aus dem Bauch heraus. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die ersten fünfzig Seiten einen Sinn ergeben. Und dann entsteht das Ganze. Man muss ja auch erstmal mit der Geschichte warm werden. Sozusagen, ein bisschen quatschen.

Ob ich jäh einen Thriller schreiben werde?

Da ich selber eher die ruhigen Geschichten bevorzuge, bleibt das wohl etwas für später. So mit vierzig oder zweiundvierzig. Jetzt suche ich in mir noch den männlichen, deutschen Sagan. Sie ist einfach toll. Diese französische Wunderschreiberin. Gerade lese ich wieder ein Buch von ihr.

Eine Frau in den Vierzigern. Eine geplante Hochzeit. Ein junger Kerl, der bei ihr im Haus abhängt. Drei Tote gab es auch schon. Aber alles so chillig. Ohne große Aufregung. Halt das Richtige für nachts um halb zwei.

Heute ist so ein Tag, da müsste ich nach einer Geschichte suchen. Sonst erreichen sie mich von selbst. Selten Nobelpreistverdächtig. Aber das stört mich nicht. Ich schreibe, weil mir dieses Erzählen Spaß macht. Aber wenn ich immer poste und präsentiere, mich manchmal in Unterhosen zeige, liebe ich doch die zweite Reihe. Ich selber möchte mich nicht in den Mittelpunkt stellen. Die Geschichte soll sich beweisen. Schafft sie eine Reaktion. Gefällt sie jemand. Sieht jemand von euch vielleicht etwas von sich darin. Findet jemand dadurch eine Idee für etwas Eigenes.

Meine Texte sind nicht geschützt. Es wäre als kein Raub, wenn jemand eine meiner Ideen aufgreifen würde. Ein Dieb wäre nur der, der meine noch im Kopf sitzenden Ideen klauen würde. Aber dafür müsste man Gedanken lesen können oder meinen Kopf aufschneiden. Bitte dann lieber das Erste, weil das Zweite krass weh tun würde.

Und so säuselt leise das Radio neben mir. Nachrichten alle halbe Stunde. Dazwischen Pop, Rock und diese uns gerade so überfluten wollende deutsche Welle. Die Texte sind ja ganz toll. Aber Sound und Stimme, naja, nicht gerade Michael Bolton oder Toni Braxton. Dann so lustige Fragespiele. Jungs, den Kaffeebecher bekommt ihr schon, den für die Fragen reicht ein Studium in RTL 2 gucken.

Und so platzieren sich die Buchstaben auf meinem Blatt. Der Wecker gerade am Tütütü. Zeit die Abendpille zu nehmen, noch eine zu rauchen, Zähnchen zu putzen und ins Bett zu gehen.

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Lass mir doch jedenfalls das Jetzt

 

Für Mamas bleibt man immer der kleine Junge!

Aber der Junge ist nun ein Mann. Auch wenn das etwas länger gedauert hat. Früher schmiertest du meine Brote. Legtest mir die Sachen auf meinen Stuhl. Gabst mir Taschengeld. Meckertest als ich mir davon Dinge kaufte, die total sinnlos waren.

Ich ging zur Schule. Jeden Tag. Bis zu dem Moment in dem mir alles egal wurde. Daran warst nicht du schuld. Das lag an mir, den Jungen, der die Gesellschaft wechselte und dumme Dinge tat und Freunde verlor, die es mehr verdient hätten, im Jetzt zu leben.

Ich hätte Vieles anders machen können. Wahrscheinlich sogar müssen. Doch an diesem einen Abend im September zerbrach meine Welt. Ich konnte doch nicht wissen, was ein Verlust in jungen Jahren, mit einem macht. Das steht in keinem Buch. Vielleicht jetzt irgendwo im Internet. Ich war siebzehn und hatte weder Internet noch Smartphone. Ich kann nur beschreiben wie es mir damit ging. Wie es auch noch nach 18 Jahren weh tut. Heute weiß ich, dass alles was ich danach anpackte oder eben auch nicht, falsch war. Mit siebzehn denkt man, man könnte die Welt verändern. Aber auf einmal ändert sich die Welt für dich. Und du konntest nichts dagegen machen.

Heute kann ich Dinge beeinflussen. Kann versuchen die Dynamik aufzubringen, die mir damals abhanden gekommen war. Ich kann die Jahre nicht zurückholen. Kann sie mir nicht säubern. Kann weder den Schmerz ungeschehen machen, noch euch der Junge sein den ihr wolltet. Und im Jetzt möchte ich der sein, der ich sein möchte. Dieser kleine Junge war vor zwanzig Jahren. Eine schöne Zeit für euch. Auch für mich. Aber nach Tagen kamen Wochen, kamen Monate und Jahre. Auch wenn du es gewollt hättest, die Zeit konnte niemand anhalten. Und nun bin ich so, was all das Gute und das Schlechte aus mir gemacht hat. Und ich höre, dass mich das stolzer macht, als dir.

Aber auch du hast dein Leben. Ein Leben in das ich mich nicht einmische. Ich lasse dir deins. Und so lasse mir meines. Das ist der einzige Wunsch, der mir im Jetzt einfällt. Geschenke waren früher toll. Weihnachten, Ostern und Geburtstage. Aber langsam solltest du wissen und verstehen, dass in meinem Leben andere Dinge zählen. Ich habe und mache vieles was mich glücklich macht. Und du musst wissen, dass das nach diesem Jungen, der dich im Krankenhaus mit leerem Blick ansah, jetzt alles so viel mehr ist. Ich stelle wenige Ansprüche. Erwarten tue ich nur noch von Wenigen. Ich schaue auf mich! Was geht da noch? Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Und so verzichte ich in unseren Gesprächen auf viele meiner Geschichten. Die schreibe ich lieber auf Papier. Denn das was ich habe ist meins. Genau wie du deine Geschichten hast, die du mit deinen Freunden teilst. Das hat nichts mit fehlender Liebe zu tun. Das ist halt normal, wenn ein Junge zum Mann wird und beginnt sein Leben zu leben. So wie du deines lebst.

Schaue bitte weniger auf die Bilder von früher. Das ist nun mal Vergangenheit. Und diese schmerzt schon genug in meiner Brust. Lass uns leben. Lass uns das Jetzt leben. Irgendwann ist dies auch Vergangenheit. Aber vielleicht mit einem Lächeln und nicht diesen ständigen Vorwürfen.

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Wann kommst du? Und wie lange bleibst du?

 

Sitze ich doch jeden Abend wartend auf der Couch. Oft mit Blick auf die Straße auf dem Balkon. Gehe manchmal einfach zur Tür und schaue durch den Spion, weil ich glaubte, du hattest geklopft.

Morgens koche ich immer ein Ei zu viel. Du könntest ja plötzlich vor der Tür stehen. Zum Mittag das Gleiche. Zwei Stücken Fleisch, die große Dose Mischgemüse und acht statt vier Kartoffeln.

Wann kommst du? Wann erlöst du mein Herz aus dieser Einsamkeit?

Manchmal glaube ich, wir denken im selben Moment an das Gleiche. Wenn ich dir schreiben möchte, doch du deine Mail drei Sekunden vor mir abschickst. Das ist doch was! Da ist doch was! Das sind die Momente, in denen wir Beide uns so verdammt nah sind. Und doch durch Straßen und Wälder getrennt.

Wenn da nichts wäre, warum fühle ich? Fühle ein Uns!

Du müsstest nur an der Tür klopfen. An der Richtigen. Nicht beim Nachbarn, da gibt’s jeden Tag irgendwas mit Knoblauch. Das ist der Duft, den ich jeden Tag rieche. Dabei soll es dein Duft sein, der mich wahnsinnig machen soll.

Würdest du kommen! Wie lange würdest du bleiben?

Auf einen Kaffee. Auf Schnitzel mit Kartoffeln und Mischgemüse. Bis zu meinem Abend Gebet. Ich schlafe nicht nackt, du kannst also auch länger bleiben. Vielleicht würden wir uns berühren. Unbewusst! Später dann doch bewusst! Gibt es Gründe die dagegen sprechen? In meinen Träumen bleibst du sogar bis zum Morgen. Natürlich gehe ich los und hole die Brötchen. Aber lass mich kurz duschen. Der Duft unserer Nacht würde die Bäckerin auf die wildesten Gedanken bringen. Ach komm, meine Dusche hat auch Platz für zwei.

Aber sollen sie doch denken. Reden ist ja auch so eine Kunst, die jeder beherrscht. Stört uns das? Störte uns doch noch nie! Uns stört nur die, gerade zwischen uns stehende, Entfernung. Jetzt, da der Mond über unsere Seelen und unsere Herzen so sehnsüchtig steht.

Du bist mir oft so nah, dass ich dich spüre. Das ich glaube, dieser momentane Puls, wäre deiner. Dann greife ich nach links und nach rechts und spüre nichts. Nicht dein Wesen. Nicht deine Wärme. Nicht deinen Puls.

Aber wofür ist das alles gut?

Um doch wieder einsam in die Träume einzudringen!

Wäre es mehr. Wäre es so viel, das es uns nicht verweilen ließe, hätten sich unsere Lippen doch schon längst gefunden. Also fehlt doch etwas! Wir hatten Worte. Wir hatten Blicke. In mir tanzten diese Indianer um das Feuer. Ein Feuer, was schon so lange in mir flackert. Jeder deiner Blicke ist wie Spiritus in die Flammen. Nichts hält dieses Gefühl auf. Weil es echt ist. Weil es so stark ist. Und mich hoffentlich nicht belügt. Denn geflunkerte Liebe hatte ich zu genüge. So oft, das mein Herz sagte, lass den Scheiß und hüte die Schafe auf Nachbars Wiese.

Ich weiß, es ist echt. Sonst wäre es nicht um so viel schöner, als die Gefühle der vergangenen Jahre. Mehr wäre nur, diese eine Chance, die uns unsere Herzen ruhig mal geben könnte.

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